Tagungsprogramm:

Austausch der ukrainischen, deutschen, rumänischen, russischen Historiker und Zeitzeugen zum Holocaust in der Bukowina

Mittwoch, den 04 September 2019
Ort: Nationale Jurij-Fedkowytsch Universität Czernowitz, М.Kozjubynskyj  St. 2, Czernowitz, Ukraine

10:00 - Grußwort
Marieluise Beck - Direktorin Osteuropa, Zentrum für die Liberale Moderne, Berlin
Josef Zissels - Vorsitzender der Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden in der Ukraine, Kyjiw
Prof. Tamara Marusyk - Prorektorin für wissenschaftliche und pädagogische Arbeit zum Bildungsprozess Nationaler Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz, Czernowitz
Moderation: Jurko Prochasko - Schriftsteller, Lwiw

10:30
Anatomie der Gewalt gegen Juden in Europa vor und während des Zweiten Weltkrieg
Wie konnte die Wahnidee der Ausmerzung des europäischen Judentums so viel Unterstützung finden?
Impulsvortrag: Prof. Dr. Wolfgang Eichwede - Historiker, Gründungsdirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Bremen
Der Holocaust in der Ukraine
Impulsvortrag: Prof. Anatolii Podolskyi - Historiker, Direktor des Forschungszentrums für die Holocaustgeschichte, Kyjiw

Das Gesicht des Holocausts in der Bukowina: Täter und Opfer
Impulsvortrag: Oleh Surowtzew - Historiker, Dozent der Nationaler Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz, Czernowitz

Das Antonescu Regim und die Judenfrage in Rumänien 1940-1944
Impulsvortrag: Prof. Dr. Ottmar Trasca - Historiker, historisches Institut “George Bariţiu” der Rumänischen Akademie der Wissenschaften, Cluj-Napoca

Der Blick auf das Judentum in der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg
Impulsvortrag: Prof. Irina Scherbakowa - Germanistin, Kulturwissenschaftlerin, Koordinatorin der Menschenrechtsgesellschaft Memorial, Moskau

11:30 – 12:00 - Kaffeepause

12:00-13:15 - Debatte

Mittagessen

14:00
Debatte über den Holocaust nach dem Zerfall der Sowjetunion
Beginn einer Erinnerungskultur in der Ukraine seit den 90er Jahren
Impulsvortrag: Prof. Borys Zabarko - Historiker, Präsident der Allukrainischen Assoziation der jüdischen KZ- und Ghettoüberlebenden, Kyiv

Der schwierige Umgang mit dem Holocaust in Rumänien
Impulsvortrag: Marius Cazan - Historiker, Elie Wiesel Institut für die Erforschung des Holocaust in Rumänien

Wie kann die Erinnerung an den Holocaust in der Ukraine im historischen Gedächtnis in Deutschland verankert werden?
Impulsvortrag: Volker Beck - Lehrbeauftragter/Associated Lecturer Zentrum für Religionswissenschaftliche Studien CERES Ruhr-Universität Bochum

Wie kann die Erinnerung an den Holocaust in der Ukraine und der Bukowina wachgehalten werden?
Impulsvortrag: Josef Zissels – Vorsitzender der Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden in der Ukraine, Vorsitzender des Generalrates des Euroasiatischen Kongresses der Jüden, Kyjiw

Instrumentalisierung des ukrainischen Antisemitismus als Propagandamittel
Impulsvortrag: Wilfried Jilge - Osteuropahistoriker und Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig

15:30 – 16:00 - Kaffeepause

16:00 – 17:30 - Debatte

18:00 - Abendessen

Bei der Veranstaltung wird eine Simultanübersetzung angeboten
Arbeitssprachen: Deutsch, Ukrainisch, Englisch, Russisch


Partner:

Das Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina, Czernowitz

Die Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden in der Ukraine, Kyjiw

Nationale Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz, Czernowitz

Hanns Seidel Stiftung, Vertretung in der Ukraine, Kyjiw

Heinrich Böll Stiftung, Kyjiw

Friedrich Ebert Stiftung, Regionalbüro Ukraine und Belarus, Kyjiw

Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit, Kyjiw

Konrad Adenauer Stiftung, Auslandsbüro Ukraine, Kyjiw

    

80 Jahre nach Beginn des 2. Weltkriegs gibt es immer noch viele blinde Flecken in der Geschichtswahrnehmung, sowohl in den Ländern der Täter als auch in den Ländern der Opfer. Das betrifft auch die Ukraine und den „Holocaust durch Kugeln“ (Patrick Desbois).

Lange wurde in der Sowjetunion den jüdischen Opfern eine eigenständige Wahrnehmung verwehrt. So gab es in der sowjetischen Geschichtsschreibung nur Opfer des Faschismus aber vermeintlich keine genozidale Politik gegenüber den europäischen Juden.

Erst langsam nähert sich die heutige Ukraine diesem Teil ihrer Geschichte.

In Deutschland steht als Synonym für die Auslöschung des Judentums das Vernichtungslager Auschwitz. Dass der Völkermord mit Einsetzen des Krieges zeitgleich begann und bis zum Beginn der Massenvernichtung bereits etwa 1,5 Millionen Juden durch das brutale Wirken von SS, Polizeibataillonen, Einsatzgruppen und teilweise kollaborierenden Bevölkerungen stattfand, ist bis heute wenig bekannt.

Bezeichnend ist, das von den etwa 1500 Erschiessungsplätzen bis heute etwa 1000 ohne jegliche Kennzeichnung sind.

Rumänien hat sich auf internationaler Ebene zu seiner historischen Verantwortung bekannt. Anders allerdings sieht es im Land selber aus. Die Vernichtungsaktionen  der rumänischen Armee sind weitgehend tabuisiert. Wer sie auf die Tagesordnung setzt, stößt auf mannigfachen Widerstand.

Wir wollen uns diesen blinden Flecken in einer gemeinsamen Debatte nähern.

Ohne Besserwisserei, ohne moralische Überheblichkeit. Es geht darum, wahre Begebenheiten sichtbar zu machen.

Dazu laden wir ein.

 

TeilnehmerInnen:

 

Sabine Adler - Leiterin des Reporter-Pools bei Deutschlandfunk, Berlin

Beate Apelt – Projektleiterin der Ukraine und Belarus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Kyjiw

Gabriele Baumann - Leiterin des Auslandsbüros Ukraine der Konrad-Adenauer-Stiftung, Kyjiw

Marieluise Beck – Direktorin Osteuropa, Zentrum für die Liberale Moderne, Berlin

Volker Beck - Lehrbeauftragter/Associated Lecturer Zentrum für Religionswissenschaftliche Studien CERES Ruhr-Universität Bochum

Marius Cazan - Historiker, Elie Wiesel Nationales Institut zur Erforschung des Holocaust in Rumänien

Prof. Wolfgang Eichwede – Historiker, Grunddirektor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, Bremen

Natalya Gerasim – Leiter der Metodistischenabteilung des Ausbildungszentrum von Czernowitz ,Czernowitz

Wilfried Jilge - Osteuropahistoriker und Lehrbeauftragter an der Universität Leipzig

Mykola Kuschnir – Direktor des Museums für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina, Czernowitz

Prof. Tamara Marusyk – Prorektorin für wissenschaftliche und pädagogische Arbeit zum Bildungsprozess Nationaler Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz, Czernowitz

Serhij Osatschuk – Honorarkonsul der Republik Österreich in Czernowitz, Czernowitz

Prof. Anatolii Podolskyi – Historiker, Direktor des Forschungszentrums für die Holocaustgeschichte, Kyjiw

Jurko Prochasko – Essayist, Germanist, Schriftsteller, Übersetzer, Lwiw

Matthias Richter - Projektkoordinator Erinnerungen Lernen, Jüdische Gemeinde Düsseldorf, Düsseldorf

Marcel Röthig - Landesvertreter der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Ukraine und Belarus

Petro Rychlo – Germanist, Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Essayist, Czernowitz

Prof. Irina Scherbakowa – Germanistin, Kulturwissenschaftlerin, Koordinatorin der Menschenrechtsgesellschaft Memorial, Moskau

Olexander Schlamp - Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Czernowitz, Czernowitz

Roman Schwarzman – Vorsitzender des Regionalverbandes der ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftlinge in Odesa, Odesa

Daniel Seiberling - Direktor der Hanns Seidel Stiftung für Rumänien, die Ukraine und die Republik Moldau, Kyjiw

Sergej Sumlenny – Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Regionalbüro Ukraine, Kyjiw
Dr. Oleh Surowtzew
– Historiker, Dozent der Nationaler Jurij-Fedkowytsch-Universität Czernowitz, Czernowitz

Prof. Dr. Ottmar Trasca - Historiker, historisches Institut “George Bariţiu” der Rumänischen Akademie der Wissenschaften, Cluj-Napoca

Clemens Wergin – Journalist der Zeitung „die Welt“, Berlin

Klaus Wolschner

Prof. Borys Zabarko – Historiker, Präsident der Allukrainischen Assoziation der jüdischen KZ- und Ghettoüberlebenden, Vizepräsident der Internationalen Vereinigung der jüdischen Gemeinden der ehemaligen Fachismusgefangener,   Kyjiw

Josef Zissels – Vorsitzender der Assoziation der jüdischen Organisationen und Gemeinden in der Ukraine, Vorsitzender des Generalrates des Euroasiatischen Kongresses der Jüden, Kyjiw